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  • AutorenbildSaskia Lackner

Über das Loslassen




Dieses Jahr habe ich einiges losgelassen fällt mir in meiner Rückschau auf. Es begann damit, dass meine leider kranke Mutter in ein Seniorenheim umzog und sich daher verkleinerte. Sie wollte mir dabei verschiedene Dinge aus ihrer alten Wohnung anbieten, wo doch meine schon aus allen Nähten platzte. Und gleichzeitig begleitete mich die Sorge, ob ich es nicht doch bereuen könnte, wenn ich die zwar vielleicht nützlichen Gegenstände ablehnen würde. Gerade in der Rückschau. Welche sind bedeutsam, welche nicht? In Drucksituationen fallen solche Unterscheidungen durchaus schwer.

Ich ließ aber auch im Laufe des Jahres meine eigene Wohnung los, fand tatsächlich über Facebook eine neue Wohnung und ließ die Vorstellung los, dass dies quasi unmöglich ist. Ich ließ damit auch wieder, wie beim ersten Fall, Dinge los. Ich ließ Aufträge oder Jobs los, die nicht zu mir passten. Ich ließ Menschen los, die mir nicht (mehr) gut taten. Ich ließ aber vor allem Vorstellungen über mich selbst, also Selbst-Bilder los, die nicht mehr passten. Das ist ein spannender Prozess, dass die Geschichten, die ich mir jahrelang über mich selbst erzählt hatte, nicht mehr stimmig waren. Ich ließ Wünsche gehen, die nicht mehr passten oder zumindest nicht aktuell. Damit verbundene Gefühle. Ich ließ Ängste los (dafür kamen andere). Und ich ließ Kilos los. Und bei allem fühlt es sich an wie ein neues Gewand, das man im Übrigen beim Abnehmen auch teilweise braucht. Das klingt jetzt vielleicht alles so, als wäre mir das nur leicht gefallen. Ist es nicht. Manches ja, das war einfach da, zum richtigen Zeitpunkt. Manches passierte mir einfach, ohne Zutun und dann ist es unsere Aufgabe, mit dem Schicksal fertig zu werden. Weil alles endlich ist. Leider und zum Glück.


Ich mag es allerdings nicht, wenn Kalendersprüche einem suggerieren, was man alles loszulassen habe. Oder anderen Menschen zu sagen, was sie wie wann loszulassen hätten. Denn manchmal überbrücken Sehnsüchte, Phantasien, Wunschvorstellungen, Illusionen auch leere Stellen, füllen diese aus, um vielleicht einmal konkretere Ziele zu werden. In Aktionen umgewandelt zu werden. Oder einfach um unangenehme Zustände besser zu ertragen. Von anderen, besseren Zeiten oder Orten zu träumen. Unsere Imaginationskraft ist eine wichtige Quelle, ein anderes Wort für Ressource. Nicht umsonst heißt es auch Inspiration und manche glauben, die sei sogar quasi "göttlich" und komme von oben, vom Himmel. Neulich las ich, dass notorische Lügner eigentlich sehr kreative Menschen seien und lernte, dass Karl May beispielsweise im Gefängnis war, weil er sich u.a. immer wieder als jemand anderer ausgab (also als Hochstapler) und sich dieser Illusion hingab. Bis er seine schöpferische Kraft eben durch das Schreiben von Abenteuerromanen ausleben lernte. Er ließ also das Betrügen los bzw. die Illusion.

Loslassen kann ein Weg zu mehr Freiheit sein, nicht umsonst muss Aschenputtel die Erbsen sortieren, die guten von den schlechten trennen, aber loslassen hat auch Kosten: den Verlust. Und den musst du aushalten können. Dazu bin ich auch nicht immer bereit. Das sucht sich der Verlust aber nicht immer aus. Der Verlust macht Dinge schwer und leicht zugleich - je nachdem worum es sich handelt. Und genau so fühlt sich dieses Jahr im Rückblick an. Und einfach sehr intensiv. Und das Gute an der Intensität ist: es ist nicht langweilig...

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